Dr. H. Schaaf: Psychosomatik rund ums Ohr: Tinnitus, Gleichgewicht & Schwindel

Tinnitus: Leiden und Chance     Leseprobe

Schlaf- (Los) und Tinnitus

von Dr. med. Helmut Schaaf ,
Ltd.Oberarzt der Tinnitus Klinik Arolsen, Große Allee 3, 34454 Bad Arolsen
Email: Hschaaf@tinnitus-klinik.de ,
Zuständige Landesärztekammer Hessen (BRD)
Wichtiger Hinweis:
Über internet und email kann keine ärztliche Beratung erfolgen. Auch die zu folgenden Hinweise dienen der Information, sie können keine Behandlungsanleitungen sein. Wenden Sie sich dazu bitte an den Arzt (Therapeuten) Ihres Vertrauens und / oder etwa an die Ambulanz der Tinnitus Klinik Bad Arolsen,

Bewältigungsansätze bei Schlafproblemen

Kurzfassung für Patienten -
Fassung für Behandler erscheint im   "Forum HNO"   im Laufe diesen Jahres

Eine der häufigsten Klagen bei einem chronisch komplexen Tinnitus sind Ein- und Durch-Schlafprobleme.
Dabei wird meist verständlicherweise der Tinnitus als Hauptursache angeführt:
"Nachts wird mein Tinnitus besonders aggressiv" und: "Die Kreissäge im Kopf macht jedes Einschlafen unmöglich" sind häufige Klagen.
Die Konsequenzen der quälenden Unrast sind offensichtlich: Unausgeschlafenheit führt zu Gereiztheit, Konzentrationsstörungen, Leistungsminderung und weiteren Problemen bis hin zu Berufsunfähigkeit und verzweifelter Lebensunlust.

Was ist es aber, was Menschen am Tinnitus verzweifelnd nicht schlafen läßt? Der Lärm im Ohr "an sich" kann nicht die hinreichende Erklärung sein. Auch bei den schlafgestörten Patienten liegt die vergleichende Tinnitus-Lautheit bei ca. 10-15 dB über der Hörschwelle, wie bei den anderen Tinnitus-Betroffenen auch.
In aller Regel können ärztlich auch andere organische Ursachen meist ausgeschlossen werden, so etwa eine nächtliche Minderversorgung mit Sauerstoff, die sogenannte Schlafapnoe.

Verstehen

Wichtig ist auch hier, zu verstehen, was der Tinnitus, speziell nachts und ja meist - "in Ruhe", bewirken kann und was er nicht bewirken kann. Wichtig zu wissen ist, dass der Tinnitus, auch nachmeßbar, nachts nicht lauter wird.
Aber, gerade nachts erscheint das Geräusch stärker, weil - in der Regel - die Überdeckung durch All-TAGS-Geräusche und die Ablenkung etwa durch die Arbeit wegfällt. Dass der Tinnitus bei seinem ersten Auftreten sehr viel Unruhe stiften kann, ist verständlich.
Dies kann als alleiniger Grund zu Schlaflosigkeit führen.
Erfahrungsgemäß - auch das ist wichtig zu wissen - verlieren sich dennoch diese Schlafstörungen im Laufe der ersten drei Monate bei ca. 95% der Tinnitus Betroffenen. Also muß da noch etwas anderes sein, was die Mechanismen, die zur Schlafstörung führen, aufrechterhält.

Um den Schlafstörungen auf den Grund gehen zu können, ist es sinnvoll, ein wenig über den "normalen" Schlaf zu wissen. Hier stehen uns vielfältige Untersuchungen der Schlafforschung zur Verfügung, die folgende Kernaussagen beinhalten:



Positiv ausgedrückt heißt das: Der Körper sorgt gut für sich.

Es ist zwar sehr schön, lange schlafen zu können, aber es besteht keine Notwendigkeit eines achtstündigen Nacht-Schlafes. Sechs oder auch nur vier Stunden können individuell vollkommen ausreichend sein: die wesentlichen Bedürfnisse des Körpers werden schon im ersten, spätestens im zweiten Schlafzyklus befriedigt.
Mit dem Wissen zu Schlaf und Tinnitus raten wir zunächst zu einfachen Maßnahmen.
Dabei können schon kleine Dinge wie, abends Musik bis zum Einschlafen hören, ein leises Springbrunnen-Plätschern im Raum oder ähnliches Erfolg bringen.
Wenn dies noch nicht zum Erfolg führt, empfehlen wir - als Einstieg in ein verändertes Schlafverhalten - die in unserer Klinik eingesetzten Schlafrituale. Diese beginnen beim Tag und beinhalten Geschenke an die nicht zu zwingende Göttin des Schlafes ...

S c h l a f r i t u a l e

a) Der Tag soll wach gestaltet werden: Sowohl vom Mittagsschlaf als auch vom Schlaf vor dem Fernseher soll Abstand genommen werden.

b) Das Bett soll als alleiniger Ort des Schlafes hoch geschätzt werden auch nur dazu genutzt werden. Es darf somit auch erst aufgesucht werden, wenn wirkliche Müdigkeit vorliegt.

c) Es sollen - als Gabe an sich selbst und an die nicht zu erkaufende Göttin des Schlafs - zwei bis drei angenehme Dinge ausgeführt werden, ehe das Bett aufgesucht wird. Das kann sein:

· Eine Runde spazierengehen,

· ein schönes Buch lesen (kein ängstigender Krimi)

· ein Bad nehmen ....

Der Phantasie sollen keine Grenzen gesetzt sein.

d) Es soll kein Alkohol oder ein als "Schlaf"mittel ausgegebenes Betäubungsmittel eingenommen werden
(Ausnahme sind die sogenannten Neuroleptika und Antidepressiva, wenn sie fachärztlicherseits verordnet wurden. Diese Medikamente machen nicht abhängig).

e) Kaffee oder schwarzer Tee 4-6 Stunden sollten vor der gewünschten Einschlafzeit vermieden werden.

f) Bei Durchschlafstörungen, also Aufwachen in der Nacht, sollte - in den meisten Fällen - aufgestanden und die Zeit genutzt werden, etwa mit Lesen, Spazierengehen, Klangtherapie oder einem Entspannungsverfahren.

Das Bett sollte dann erst wieder aufgesucht werden, wenn wieder Müdigkeit eingetreten ist.

Um die eigene Schlafzeit zu überprüfen, kann es - bei vielen - sinnvoll sein, ein großes Blatt Papier neben das Bett zu legen.
In der Zeit der Schlaflosigkeit soll dann alle 15 Minuten ein Kreuzchen gemacht werden.
(Nicht sinnvoll ist es bei denen, die dann "zwanghaft" darauf warten müssen, bis wieder 15 Minuten vorbei sind.)

Meisten ist es sinnvoll - morgens zur festen Zeit aufzustehen, unabhängig davon, wielange vorab geschlafen wurde. Dies gilt auch am Wochenende.

Im engen Kontakt mit einem kundigen Therapeuten können die Schlafrituale konkret ausgestaltet
und entsprechend der Situation des Betroffenen auch geändert werden.

Meistens führen sie dann oft schon innerhalb einer Woche zum Erfolg.

Aber selbst wenn nicht sofort alles gut geht, ist das Gespräch bei den Stellen, an denen die Befolgung der Schlafrituale "hakt", wichtig.
Dann ist es sinnvoll, zu fragen:
· Gibt es außer dem Tinnitus noch andere schlafraubende Faktoren?
· Wie war die Schlafsituation vor dem Tinnituseintritt?
· Was hat sich auf den Tinnitus aufgeladen?
· Was macht den Tinnitus möglicherweise zum Sündenbock für alle anderen Probleme?

Manchmal stellt sich dann heraus, dass die Schlaflosigkeit eines am Tinnitus Leidenden eine seelisch unbewältigte Situation zum Hintergrund hat. Am häufigsten finden sich depressive Entwicklungen und/oder Angsterkrankungen. Dabei ist es zunächst nicht so wichtig, ob der Tinnitus die seelische Situation ausgelöst oder nach sich gezogen hat oder die seelische Not über den Tinnitus hörbar wurde. Wichtig ist dann eine professionelle psychotherapeutische Unterstützung.

Dann müssen Änderungen besprochen und auf Sie abgestimmt werden. Entscheidend ist, daß Sie einen Anfang zur Änderung Ihrer Situation machen und sich dabei - soweit nötig - therapeutische Hilfe hinzuholen.

Ungünstig sind auf jeden Fall länger dauernde Versuche mit Schlaftabletten, da diese nur den Schlaf der Menschen betäuben und letztendlich eine große Suchtgefahr beinhalten. Hier ist auf jeden Fall eine fachärztliche Konsultation und bei entsprechender Notwendigkeit ggf. der Einsatz von sogenannten "Neuroleptika" und "Antidepressiva" allemal sinnvoller als sich mit Alkohol und Schlaftabletten in die Betäubung und um den Schlaf zu bringen.

Vielleicht das beste daraus machen ...

Wenn dieses Problem ausreichend gelöst ist, könnte möglicherweise darauf aufbauend der Tinnitus vielleicht sogar benutzt und eingebaut werden.

Wenn Sie einen summenden Tinnitus haben - und sich nun schon über die Ursache und das Wirkgeschehen ausreichend sicher sind,
· stellen Sie sich dieses Ohrgeräusch vielleicht vor als Bachrauschen,
· vielleicht könnte Sie auch ein Sausen im Ohr an ein Windmühlen-Geräusch erinnern
· oder Sie stellen sich ein Pfeifen als Grillenzirpen vor.

Haben Sie andere oder weitere Ideen, an welche für Sie positiven Dinge Sie der Tinnitus erinnern könnte?

Verbinden Sie diese positive Erinnerung mit der Vorstellung
· von einer blühenden Wiese,
· einem Bach,
· dem Meer.

Denken Sie daran,
· wie Ihnen dabei die Sonne auf den Bauch geschienen hat,
· nachts beim Grillenzirpen im Urlaub
an der See die Wellen sacht ans Ufer schlugen
· oder an eine Ihnen angenehmen Situation oder
ein angenehmes Gefühl ...


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1.3.2005