Tinnitus und Narkose

von   Dr. med. Helmut Schaaf , Oberarzt der Tinnitus Klinik Dr. Hesse, Bad Arolsen,
        Email: DrHSchaaf@t-online.de   Zuständige Landesärztekammer Hessen (BRD)
Wichtiger Hinweis:     Über internet und email   kann   keine   ärztliche Beratung erfolgen. Auch die zu folgenden Hinweise können keine Behandlungsanleitungen sein.
Wenden Sie sich dazu bitte an den Arzt (Therapeuten) Ihres Vertrauens und / oder an die Ambulanz des Ohr- und Hörinstitutes Hessen, Arolsen, Grosse Allee 50

Zusammenfassung :

Eingegangen wird auf mögliche Zusammenhänge zwischen Anästhesie und Entstehung oder Verstärkung eines Tinnitus. Während unter normalen Bedingungen nach einer ausgeführten Allgemeinanästhesie keine erhöhte Tinnitusgefahr oder anhaltende Tinnitusverstärkung zu erwarten ist, besteht bei der Spinalanästhesie die zwar seltene, dann aber typische Möglichkeit eines meist passageren Tieftonhörverlustes mit einem damit verbundenen Tieftontinnitus.

Beim Einsatz von Lokalanästhesika kommen selten, dann aber in aller Regel sich selbst vollständig rückbildene Hörstörungen und Tinnitus bei zentraler Intoxikation vor.

Eine Fach - Veröffentlichung: Schaaf, Kampe, Hesse (2004): "Tinnitus nach Narkose" ist in Heft 4 - 2004 "Der Anästhesist", Springer S. 358 - 361 erschienen


Tinnitus und Allgemeinanästhesie (Vollnarkose)


Grundsätzlich muß man sagen, daß Vollnarkosen vor allen Dingen das Ziel haben, den Patienten bei einem - wohl immer notwendigen - Eingriff möglichst
  Schmerzfreiheit,
  Entspannung
  und vor allem ein über den Schlaf hinausgehendes Ausschalten des Bewußtseins zu erreichen.

Darüber hinaus ist es auch noch immer die Aufgabe des Anästhesisten, die bei der Operation auftretenden Veränderungen, auch hinsichtlich des Gleichgewichtes des Körpers, so auszugleichen, daß der Patient nach dem Eingriff wieder entsprechend stabilisiert werden kann.

Dabei hat sich die Anästhesie in den letzten 20 Jahren rasant entwickelt, so daß die Zeiten der sicherlich noch vielen bekannten Ätherkappen oder der relativ einfachen, aber dafür auch teilweise mit größeren Nebenwirkungen verbundenen Narkosen, vorbei sind.

Hinsichtlich des Tinnitus wirken alle modernen Narkoseverfahren prinzipiell erst einmal tinnitusmindernd, weil diese Medikamente von ihrer Struktur her natürlich ähnlich wirken wie Schlafmittel und Betäubungsmittel. Von daher ist zumindestens im Normalbetrieb keine Gefahr von solchen Anästhetika zu erwarten.

Dennoch vollziehen sich während der Operation und dabei natürlich auch in der Narkose vielfältige Veränderungen, von der Lagerung des Patienten bis eben zu dem operativen Eingriff selbst, die durchaus Einfluß haben können, auf eine veränderte Homöostase (Gleichgewicht) des Menschen.
Im Gefolge dessen kann natürlich auch der Tinnitus beeinflusst werden, insbesondere, wenn verständlicherweise - glücklicherweise aber zum größten Teil unberechtigter Weise - Ängste mit der Narkose selbst oder dem operativen Eingriff verbunden werden oder wenn sich etwa nach dem Aufwachen aus der Narkose sozusagen erst die ganze Dimension des bis dato nötig werdenden Eingriffes erschließt und dabei auch der Tinnitus lauter wird.

Spinal - Anästhesie ("Teilnarkose") und Tinnitus

Bei der sogenannten Spinalanästhesie, die auch fälschlich "Rückenmarks"spritze genannt wird,    
k a n n   es   (selten!)   vorkommen,
daß bei größerem Abfluß von Spinal-Flüssigkeit (Flüssigkeit im Rückenmarkskanal)
bei einigen Patienten ein - in der Regel vorübergehender - Tiefton-Tinnitus,
meist zusammen mit einer Tieftonsenke zu bemerken ist.


Dazu hat insbesondere O. Michel aus Köln veröffentlicht, wobei auch dazu gesagt werden muß, daß zur Entwicklung dieses Tinnitus bei der ansonsten für viele Eingriffe hervorragende Schmerzausschaltungstechnik besondere anatomische Verhältnisse vorliegen müssen, die eben nur bei einer Minderheit der Gesamtbevölkerung gegeben ist.

Diese anatomische Besonderheit ist ein offen gebliebener Verbindungsgang zwischen der Hirnflüssigkeit und der Umgebungs-Flüssigkeit des Ohres (Perilymphe).

Dies kann als Resultat eine Vergrößerung des endolymphatischen Raums haben und dies dann eben typischerweise mit Tiefton-Tinnitus beantwortet werden, wie das auch ausführlich in den Arolser Schriften II: - Praktische Aspekte der Retraining- und Hörtherapie und Besonderheiten bei Endolymphschwankungen dargestellt ist.

Von daher sollte ihr vorweg eine besondere Achtsamkeit auf das Phänomen vorliegen und eben der zu erwartende Nutzen gegen des möglichen oder befürchteten Schaden abgewogen werden


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4. 4 .2004