Der Hörsturz - ein plötzlicher Hörverlust unbekannter Ursache

von   Dr. med. Helmut Schaaf , Oberarzt der
Tinnitus Klinik Dr. Hesse, Bad Arolsen, (ab 1.1.2009)
        Email: DrHSchaaf@t-online.de   Zuständige Landesärztekammer Hessen (BRD)
Wichtiger Hinweis:     Über internet und email   kann   keine   ärztliche Beratung erfolgen. Auch die zu folgenden Hinweise können keine Behandlungsanleitungen sein.
Wenden Sie sich dazu bitte an den Arzt (Therapeuten) Ihres Vertrauens und / oder an die Ambulanz des Ohr- und Hörinstitutes Hessen, Arolsen, Grosse Allee 50

Der Hörsturz wird definiert als ein plötzlicher, meist einseitiger Innenohr-Hörverlust ohne erkennbare Ursache.
Hinzukommen können in bis zu 30% Ohrgeräusche, Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen (Morgenstern 1994).
Die Funktionsstörung des Innenohrs kann über alle Frequenzen variieren und kann - selten - bis zur vollständigen Taubheit führen.

Die zahlreich vorgetragenen Theorien zur Ursache der plötzlichen Hörminderungen lassen im wesentlichen auf zwei Vorstellungen zurückführen:

1.   Eine (vorübergehende) Durchblutungsstörung als auslösendes Ereignis.
    Dabei wird ein thrombotischer oder embolischer Verschluß angenommen.
    Da das Innenohr mit der "A. labyrinthi" durch eine Endarterie versorgt wird, kann dieses Ereignis sicher nur bei vollständiger Taubheit als beständiges betrachtet werden.
    Bei allen anderen Formen muß sich auf Dauer wieder eine ausreichende Form einstellen.
    Das Innenohr wird nur durch ein einziges Blutgefäß, durch eine sogenannte Endarterie, versorgt.
    So ist das Innenohr einerseits besonders anfällig, es ist anderseits aber dadurch geschützt, daß dieses Blutgefäß, die Arterie,
    in seiner Funktion zu den das Gehirn versorgenden Blutgefäßen gehört.

    Das Gehirn, das für das Überleben am wichtigste Organ, sorgt gut für sich. Selbst bei großen Blutverlusten wird das Gehirn solange wie möglich versorgt,
    auch wenn andere Organe wie sogar die Niere, dafür von der Versorgung abgekappt werden.
    Unter normalen Umständen, wenn der Blutdruck nicht genug nach oben liefert, sorgt eine Ohn-macht für die richtige Fließrichtung.
    So kann eine vorübergehende Durchblutungsstörung zwar der Ausgangspunkt für eine Hörschädigung und einen Tinnitus sein,
    nicht aber der Grund für das Anhalten und Auf-rechterhalten der Schädigung oder des Tinnitus.

  Wenn eine Durchblutungsstörung dauerhaft vorläge, müßte das Ohr ertauben. Dies ist zum Glück nur selten der Fall.

2.   Die zweite Erklärungsansatz für ein Hörsturz - Geschehen geht von einer Schädigung durch Viren aus.
    Hierbei werden eine Reihe von Viren, die sogenannten "neurotropen" Viren verdächtigt.
    Dazu gehören Mumps-, Herpes zoster-, Masern-, Influenza-, Adeno- Viren.
    Diese befallen, mit besonderer Vorliebe Nerven und dann eben auch den Hör und Gleichgewichtsnerv.

Tritt ein Hörverlust öfters auf, so handelt es sich nicht mehr um einen Hörsturz, sondern beispielsweise um Endolymphschwankungen ,
die ebenso wenig wie die Lärmschäden oder psychogenen Hörschwankungen definitionsgemäß und in therapeutischer Konsequenz nicht als Hörverluste unbekannter Genese aufzufassen sind.

Therapie

In der Regel ist durch eine gründliche HNO-Untersuchung die Diagnose schnell gestellt.
Das akute Auftreten eines plötzlichen Hörverlusts gilt ebenso wie der akute Tinnitus in der Bundesrepublik als HNO-Notfall.
Die Therapie besteht in einer möglichst sofortigen, d.h. in den ersten 48 h beginnenden Infusionsbehandlung unterschiedlichster Art mit meist den stets gleichen Erfolgsstatistiken (Michel 1994).
Gleichzeitig sollten die Betroffenen aus dem Arbeits- und familiären Umfeld gelöst werden, um so eine gewisse Abschirmung zu erreichen.
Eine zügige und adäquate Therapie vorausgesetzt, werden dadurch bei akut auftretenden Hörminderungen oder Tinnitus Rückbildungsraten von 70-80% erreicht.
(s. auch die Leitlinien der Dt. Ges. f. Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie).

Eine positive Beeinflussung des Hörsturzes durch die Gabe von Medikamente gegen die Virusausbreitung konnte nicht gesehen werde (Schmalzing 2006).

Hörstürze entstehen häufig aus anhaltenden Belastungssituationen oder, wie wir das auch von Herzinfarkten kennen, nach Beendigung solcher Dauerzustände.
Auch wenn trotz unspezifischer, polypragmatischer Therapie meist gut geholfen werden kann, ist es dennoch sinnvoll, die Umstände ernst zu nehmen, über die das hoch sensible Hörorgan plötzlich "gestürzt" ist. Hier können Weichen gestellt werden zur Vorbeugung weiterer Ereignisse oder anderer Krankheitsformen, wie etwa von Erschöpfungszuständen. Oft scheint es aber so zu sein, dass erst ein Tinnitusleiden hinzukommen muss, um genauer hinhören zu müssen.

Lärmschäden

Die häufigste Ursache für Hörschäden ist die Einwirkung durch Lärm.


Zu unterscheiden ist die akute Einwirkung durch Lärm und die chronische Belastung in einem zu lauten Umfeld.
Von einem akuten Lärmtrauma spricht man ab Lautstärken von 120 dB.
Dabei sorgt unabhängig von der Höhe der Töne die Wucht des geballten Schalls für eine Schädigung in der Schnecke.
Dabei ist am meisten der Anteil betroffen, nahe an der Außenwelt liegt. Da nun die hohen Töne, wie bei der Blockflöte, vorne abgebildet werden und die tiefen Töne weiter unten, finden sich die Schädigungen und meist auch der Tinnitus im Bereich der Frequenzen von 4000 bis 6000 Hz.
Durch den hohen Schalldruck entsteht ein Ödem, eine Wasseransammlung, der Sinneszellen mit Funktionsausfall. In der Regel ist dieser Funktionsausfall in weiten Teilen erholungsfähig und in großem Ausmaß therapierbar, wenn schnell gehandelt wird.

Anders dagegen verhält es sich bei einem chronischen, anhaltenden Lärmschaden.

Hier führt ein konstant und ständig einwirkendes lautes Umgebungsgeräusch, zu einer immer wiederkehrenden Überreizung und auch langsamen Schädigung der Sinneszellen. Im Arbeitsbereich ist deswegen die zulässige Lärmbelastung über acht Stunden auf 85 dB (A) begrenzt.

Das Maß dB(A) dies ist ein Wert aus der Arbeitsmedizin, wobei das "A" bedeutet, daß die Menschen diesen Schallpegeln mindestens über acht Stunden ausgesetzt sind.
Während nach Jahrzehnten im Arbeitsbereich weitestgehend konsequente Schutzmaßnahmen eingeführt wurden, so etwa lärmärmere Maschinen sowie individuelle Lärmschutzmaßnahmen, etwa die "Mickymäuse", wird oft das individuelle Umfeld immer lauter.

Diskotheken kennen scheinbar keine Obergrenzen und die in der Regel über stunden getragenen Walkmen mit Schallwerten über 105 dB scheinen jeder Vernunft entgegen zuzunehmen.

Was da, vielleicht verstehbar auf einer andren Ebene, wirksam zu sein scheint, ist das der Lärm eine wichtige Aufgabe hat.
So vermutete C.G. Jung schon 1957 in einem Brief an K. Oftinger, dem Begründer der "Liga gegen den Lärm" in Zürich, daß der Lärm gegen die Leere, die Langeweile vielleicht auch als "Kompensation der Angst" nötig sei.    Er überdecke möglicherweise die instinktiv gespürte Angst vor der Kehrseite der Medaille des Zivilisationsfortschritte.
"Der Lärm schützt uns vor peinlichem Nachdenken, er zerstreut ängstliche Träume, er versichert uns, daß wir alle zusammen seien und ein solches Getöse veranlassen, daß niemand wagt, uns anzugreifen."

Wirkliche Besserung ließe sich da nur bei einer gründlichen "Sinnesänderung" erhoffen.


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1.10.2008